Ende des letzten Jahres haben wir unsere Leser um Teilnahme an einer Befragung gebeten, die von sechs Studenten der Universität der Künste in Berlin in Zusammenarbeit mit uns erstellt wurde. Sie unterstützen uns, die Leserschaft und unsere Außenwahrnehmung besser einschätzen zu können, sowie bei der Entwicklung von zukünftigen Kampagnen für netzpolitische Themen. Eine erste Auswertung hatten wir bereits veröffentlicht.
Heute zeigen wir weitere Ergebnisse mit einigen der Schlussfolgerungen, die das studentische Team aus der Umfrage gezogen hat. Natürlich sind wir wieder an Euren Kommentaren dazu interessiert. Die Garnitur sind einige anonyme Kommentare aus den Freifeldantworten.
Politische Präferenzen

Wir wollten von unseren Lesern erfahren, wie sie die politischen Programme verschiedener Parteien bewerten. Dafür wurde eine Skala für die Zustimmung zu den Programmen von „gar nicht“ bis „völlig“ angeboten. Das Ergebnis ist insgesamt eher ein Armutszeugnis für alle Parteien, denn die Zustimmung zu deren Programmen ist insgesamt gering.
Die genaue Fragestellung lautete: „Wie stark können Sie sich mit den politischen Programmen der folgenden Parteien identifizieren?“ Die Ergebnisse auf diese Frage für die einzelnen Parteien gibt die nebenstehende Tabelle wieder.
Mit einem Mittelwert von 3,1 ist unter unseren Lesern die Partei Die Linke eine Art Gewinner, dicht gefolgt von den Piraten mit 3,03, die zumindest bei unseren Lesern vergleichsweise viel Zuspruch finden. Beide Parteien der regierenden übergroßen Koalition finden wenig Zustimmung, die SPD liegt aber vor den Unionschristen. Ohne mich zu weit rauszuhängen und eine piratische oder grüne Kommentarschlacht um deren linke oder weniger linke Ausrichtung zu triggern, ist wohl deutlich, dass das politische Spektrum unserer Leser eher links ist gegenüber dem Teil der Bevölkerung, der bei Wahlen sein Kreuz macht. Dass die Oppositionsparteien bei der Vorratsdatenspeicherung, bei der Netzneutralität und bei vielen anderen netzpolitischen Themen kritische Positionen vertreten, dürfte zu diesem Ergebnis beigetragen haben.

Es gibt eine kleine Gruppe von Teilnehmern der Umfrage, die netzpolitik.org bisher nicht kannten oder jedenfalls nicht regelmäßig lesen. Unter ihnen ist übrigens die Zufriedenheit mit den politischen Programmen der Parteien fast genauso gering wie unter unseren Lesern. Ein signifikanter Unterschied war aber der Umfrage zu entnehmen: Die „Nichtkenner“, also Befragungsteilnehmer, die uns nicht kannten, sympathisierten eher mit den Parteien der aktuellen Koalition. Allerdings waren nur knapp vier Prozent der Umfrageteilnehmer solche „Nichtkenner“, damit etwa einhundert Personen. Entsprechend ist die statistische Aussagekraft gering.
Die Gretchenfrage

Einer der fünfzig Kommentatoren in der ersten Auswertung der Umfrage-Ergebnisse nannte es die „Gretchenfrage: Aktivisten oder Journalisten?“, denn wir hatten um Meinungen zu der Ausrichtung von netzpolitik.org in Bezug auf das Verhältnis von Journalismus zu Aktivismus gebeten.
Nach der Auswertung der Befragung fasst das studentische „Effi Beißt“-Team das Ergebnis so zusammen:
Die kritische Haltung des Blogs sollte trotz einer klareren Positionierung als journalistisches Medium bewahrt werden.
Die Kommentare gingen im Grundsatz auch in diese Richtung. Das kann man wohl einen klaren Auftrag nennen. :}

Alles Nerds?
Wir wollten uns außerdem ein Bild machen, in welchen Bereichen unsere Leser arbeiten. Vor allem interessierten uns die Branchen, die nah an unserem Themenspektrum liegen oder die einen technischen Bezug haben.
Die Antworten lassen klar darauf schließen, dass wir es mit einer großen Zahl von Lesern (über vierzig Prozent) zu tun haben, die im weitesten Sinne „in der IT“ arbeiten, also nicht ganz unbeleckt in technischen Fragen sein dürften.

Andererseits geben auch knapp unter vierzig Prozent der Teilnehmer der Umfrage an, weder mit IT noch Medien noch Politik beruflich was am Hut zu haben.
In recht vielen Freitextfeldern drücken übrigens die potentiellen Leser-Nerds ihre Freude darüber aus, dass sie bei uns nicht mit Werbung oder Tracking behelligt werden, und geben das auch als Grund an, für uns zu spenden.
